Baby mit Flasche

Fläschchen ade

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es. Meine kleine Madame hatte schon einige wichtige Gewohnheiten, von denen sie sich im Laufe ihres kurzen Lebens wieder verabschiedet hat. Da war einmal der geliebte Schnuller, der sie immer getröstet hat, wenn es notwendig war: es war gar nicht leicht, sich von ihm zu trennen. Es ging Schritt für Schritt, zuerst am Tag, dann auch für die Nacht. Ähnlich war es bei der Windel, die sie so zuverlässig trocken gehalten hat: die braucht sie am Tag nicht mehr, und sie hat vor kurzem sogar ihre erste Nacht ohne Windel verbracht, und das auch gleich ganz ohne Unfall!

Vor dem endgültigen Abschied von der Abendwindel kommt aber der nächste Begleiter dran, den ich gerne in Pension schicken möchte, nämlich die treue Milchflasche am Morgen. Nachdem meine Tochter inzwischen dreieinhalb Jahre alt ist, muss es meiner Meinung nach nicht mehr sein, dass sie jeden Morgen ein Milchfläschchen bekommt. Sie kann gerne Milch trinken, wenn sie möchte, aber dann bitte aus einem anderen Behältnis.

Fläschchen

Einen ersten Versuch haben wir vor Kurzem so gestartet dass ich ihr ohne vorherige Ankündigung die warme Milch in einem Glas angeboten habe statt im Fläschchen. Folgendes war die Reaktion von Madame: „Nein, kein Glas. Flaschi!“. Und es kam in einem Ton, der gezeigt hat, dass sie nicht bereit war, einfach so nachzugeben. Nun gut. Das war wohl nix. Also kam Plan B.

Das war der Plan

Nachdem Plan B schon beim Schnuller abgewöhnen funktioniert hat, war ich guter Dinge. Plan B brauchte etwas mehr an Vorbereitung. Und so haben entweder mein Mann oder ich unserer Tochter einige Tage lang einmal am Tag erzählt, dass bald der Abend kommen wird, an dem wir ihr liebgewonnenes Fläschchen draußen aufs Fensterbrett des Küchenfensters legen werden. In der Nacht kommt dann eine Fee, die das Fläschchen mitnehmen wird. Die Fee wird die Flasche dann an ein kleines Kind weitergeben, das es dringender braucht als meine Kleine. Und als Zeichen der Dankbarkeit wird die Fee ein kleines Geschenk für Madame auf dem Fensterbrett zurücklassen.

Madame hat diese Geschichte im Wesentlichen neutral bis wohlwollend aufgenommen, es gab keinen groben Protest, sogar leichte Anzeichen von Verständnis. Vermutlich auch, weil sie die Geschichte schon vom Schnuller abgewöhnen gekannt hat. Die nächsten zwei, drei Tage haben mein Mann und ich die Geschichte dann wiederholt, wieder war sie neutral bis sogar durchaus wohlwollend dafür.

Tags darauf habe ich mir gaaanz zufällig Fotos von Joghurtschüsseln angesehen. Das wär´ doch was: in der Früh Joghurt statt Milch. Aus einer besonderen Schale muss der Joghurt ja besonders gut schmecken. Und siehe da, sie hat auch eine Schüssel gefunden, die ihr sehr gut gefallen hat, weiß mit rosa Herzen drauf. Und ruck-zuck war sie bestellt.

Joghurtschale

Die Umsetzung

Zwei Tage später war das Paket mit der Joghurtschüssel da, und am Abend war es dann so weit: ich habe Madame noch einmal die Geschichte mit der Fee erzählt, und wir haben dann gemeinsam ihr Fläschchen aufs Fensterbrett gestellt. Und noch einmal betont, dass bald ein anderes Kind das Fläschchen bekommt, das es viel dringender braucht als sie.

Am nächsten Morgen kam wieder der gewohnte Ruf nach dem Milchfläschchen, gleich nach dem Aufwachen. Als ich sie daran erinnert habe, dass wir doch die Flasche am Vorabend aufs Fensterbrett zur Abholung gestellt haben, war sie gar nicht glücklich, und es kamen dicke Tränchen samt lautstarkem Protest. Trotzdem war sie neugierig und wollte wissen, ob die Fee etwas für sie zurückgelassen hatte. Und siehe da, es war doch tatsächlich die Joghurtschüssel, die ihr schon vor ein paar Tagen so gut gefallen hat!

Dennoch hat sie nach der gewohnten Milch aus der Flasche verlangt, aber die war ja leider nicht mehr da. Der Gedanke ans kleine Kind, das das Fläschchen dringender braucht, hat in dem Moment nicht getröstet. Essen wollte sie nichts als ihre Milch, aber sie hat sich nach einer Weile doch ablenken lassen. Am darauffolgenden Morgen der gleiche Ablauf, diesmal war sie etwas weniger untröstlich, aber Ablenkung war trotzdem nötig. Am Tag darauf hat sie dann gar nicht mehr nach der Milch gefragt, sondern wollte gleich ein Joghurt haben. Na bitte!

Am dritten Tag war es also vollbracht, sie hat nicht mehr an ihr Fläschchen gedacht. Und auch sonst gab es bis jetzt keinen Rückfall in alte Zeiten und kein wehmütiges Verlangen nach der Milchflasche. Ein weiterer Schritt Richtung großes Mädchen war geschafft! Ich bin stolz auf sie! Übrigens habe ich es nicht geschafft, mich von der Flasche zu trennen. Sie kam in die Erinnerungsbox, in der ich diejenigen Gegenstände sammle, die ich von meiner Tochter behalten möchte. Gleich neben ihren ersten Schnuller…

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