Kleinfamilie

Buchbesprechung „Das Versagen der Kleinfamilie“

Klare Worte sind es, die die österreichische Politikwissenschaftlerin Miriam Irene Tazi-Preve verwendet. In ihrem Buch „Das Versagen der Kleinfamilie“ beschreibt sie unter anderem anhand der Schlagwörter „Mutterfalle“ und „Vereinbarkeitslüge“, warum ihrer Meinung nach die Kleinfamilie nicht den besten Rahmen für Mutter, Vater und Kind bietet. Dabei lässt sie es nicht nur bei kritischen Worten bleiben, sondern stellt auch mögliche Lösungsideen vor.

Buch "Das Versagen der Kleinfamilie"

Aktuelles Dilemma

Ausgangspunkt im Buch ist die Kleinfamilie, also Vater, Mutter und bis zu zwei Kinder. Für viele junge Paare wäre das eine Wunschvorstellung, weil das in der Gesellschaft als Norm angesehen wird. Prof. Tazi-Preve behauptet nunmehr, dass aus verschiedenen Gründen eine derartige Kleinfamilie nicht ideal ist: unter anderem deshalb, weil im Regelfall ein Kind nur wenige Bezugspersonen hat. Das reicht nach Ansicht von Prof. Tazi-Preve nicht aus, um Kinder stabil aufzuziehen. Mütter und Väter wären in hohem Maß voneinander abhängig, weil auch sie zu wenige Bezugspersonen haben.

Das Glück in der Kleinfamilie würde jedoch laut der Autorin oft nicht gelingen, weil es zu Spannungen und Überforderung kommt. Was sich die (Ehe-)Partner voneinander wünschen würden, nämlich einerseits Erotik und andererseits Fürsorge / Rückhalt, wäre an sich kaum miteinander vereinbar. Zusätzlich würde es noch zu einer Vermischung mit finanziellen Verpflichtungen oder der Sorge um die Kinder kommen. Eine lebenslange, romantische Zweierbeziehung und die ewige Liebe würden daher nicht funktionieren, wie auch aktuelle Zahlen zur Scheidungsrate zeigen würden.

Dazu käme noch, dass die aktuellen Anforderungen der Arbeitswelt mit den Bedürfnissen von Müttern und Kindern nicht vereinbar wären, so Prof. Tazi-Preve. Die Arbeitswelt würde nach einem Vorrang vor Familie, Partnerschaft und dem eigenen Ich verlangen. Es würde suggeriert werden, dass Familien- und Arbeitswelt ohne Abstriche an Lebensqualität vereinbar wären. Jedoch wären alle Optionen einer Mutter mit negativen Folgen verbunden. Als Hausfrau wäre sie ihr gesamtes Leben von einem Mann abhängig. Als Teilzeit-Beschäftigte wäre sie auf Unterstützung von (Ehe-)Partner und Staat angewiesen, mit weniger Karrierechancen und Abstrichen in der Pension. Und als Vollzeit-Beschäftigte würde eine Mutter Gefahr laufen, zwischen Arbeitsleben und der Familie zerrissen zu werden. „Neue Väter“, die verstärkt am Familienleben teilhaben wollen, würden Karrierenachteile in Kauf nehmen müssen.

Lösungsansatz

Gemäß Prof. Tazi-Preve gibt es derzeit noch keine konkreten Alternativen. Bei der Entwicklung von möglichen Lösungsideen ließ sich die Autorin von anderen Kulturen und anderen Epochen inspirieren. Es wäre notwendig, die Familie als Ort zu verstehen, in dem als oberstes Prinzip die Fürsorge füreinander gilt. Um das zu erreichen, müssten die Vorstellungen davon aufgegeben werden, wie eine „normale“ Familie aussehen soll. Dazu sollte von patriarchalischen Prinzipien abgewichen werden, ohne mit negativen Folgen rechnen zu müssen. Solche patriarchalischen Prinzipien wären zum Beispiel

  • das Paar als Normalfall bei Erwachsenen,
  • der Glaube, dass Kinder in der Kleinfamilie am besten aufgehoben wären,
  • der Glaube, dass das individuelle Wohl vor dem Wohl der Gemeinschaft steht, und dass
  • der Fortschritt an der Entwicklung der Technologie gemessen wird.

Statt in der Kleinfamilie, könnten Menschen in größeren, verwandtschaftlichen Zusammenschlüssen leben, bei dem gewählte Schwestern und Brüder sowie Großmütter und Großväter zusammenleben würden, die gemeinsam die Aufgabe von Mutter- und Vaterschaft übernehmen. Sollten leibliche Väter nicht greifbar sein, wäre das aufgrund vieler Bezugspersonen der Kinder kein Drama. Erwachsene Kinder hätten wirtschaftliche Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft, nicht gegenüber dem Liebespartner.  Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeit und Fürsorge für die Gemeinschaft wären die Grundprinzipien des Denkens.

2 Gedanken zu “Buchbesprechung „Das Versagen der Kleinfamilie“

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